Blaser Café verkauft in der Schweiz jährlich 650 Tonnen Röstkaffee. Der Einkauf direkt beim Kleinbauern ist nicht möglich, trotzdem versucht Blaser Café möglichst nahe beim Kaffeeproduzenten einzukaufen. Welche Möglichkeiten gibt es? Und was ist eigentlich fairer Handel? Der erste «Fair Trade Town»-Anlass der Stadt Bern lieferte die Antworten.

Von Reto Liniger

Kaffee ist heute nach Erdöl das zweitwichtigste Handelsgut auf der Welt. Doch trotz weltweitem Kaffee-Hype geht das erste Glied der Wertschöpfungskette weitgehend leer aus. Lediglich ein Prozent des Verkaufspreises einer Tasse Kaffee landet beim Kleinbauer, der Rest irgendwo auf dem Markt.

Seit einem Jahr ist die Stadt Bern «Fair Trade Town» als erste grössere Schweizer Stadt. Mit dieser Auszeichnung ist die Stadt Bern zum Anwalt für fairen Handel geworden. Doch was ist eigentlich fairer Handel? Der Begriff ist nämlich eher schwammig: Anders als «bio», ist der Begriff «fair» gesetzlich nicht definiert. Ob eine Tomate biologisch angebaut wird, ist teilweise messbar. «Bei Fairness geht es um soziale Unterschiede, da ist der Prozess wichtiger, als das Produkt», sagt Peter Schaumberger, Chef des grössten europäischen Fair-Trade-Unternehmens Gepa, in einem Interview mit der Zeit. «Dieser Prozess lässt sich weitaus schwieriger definieren, zumal es dazu politisch viele verschiedene Meinungen gibt. » So entscheidet der Anbieter, wie er das Label «fair» auslegt: Mancher stellt den Kampf gegen Kinderarbeit in den Vordergrund, bei anderen geht es um Bildung oder das Recht sich gewerkschaftliche organisieren zu können. Zwar erhöhe die Zertifizierung «fair» die Wahrscheinlichkeit, dass in der Wertschöpfungskette jeder Beteiligte seinen gerechten Anteil abkriege – eine hundertprozentige Sicherheit bedeute ein solches Label allerdings nicht.

Einkauf bei Kooperative
Die Stadt Bern hat sich zum Ziel gesetzt, mittels Anlässen die Bevölkerung für das Thema fairen Handel zu sensibilisieren. Ein erster Anlass fand Mitte Februar 2018 bei Blaser Café statt. Das Familienunternehmen importiert jährlich rund 1 200 Tonnen Rohkaffee. In der Schweiz verkauft Blaser Café 650 Tonnen Röstkaffee hauptsächlich an die Gastronomie – lediglich fünf Prozent (33 Tonnen) ist allerdings fair gehandelter Kaffee, sprich von Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) zertifizierter Kaffee. Einer der Gründe, warum der Importanteil an fair gehandeltem Kaffee derart tief ist, sieht Marc Käppeli, Geschäftsführer bei Blaser Café, in der mangelnden Nachfrage seitens der Gastronomie.

Direkt beim Kleinbauer einzukaufen, sei in grösseren Mengen nicht möglich, sagt Käppeli. Das beste Bindeglied zwischen dem Kleinbauern und dem Händler seien sogenannte Kooperativen. Solchen Kooperativen sind bis zu 1000 Kleinbauern angeschlossen. Aus Sicht des Händlers bieten zwar die Kooperativen eine Qualitätssteigerung und einen gewissen Wert an Produktesicherheit, ob allerdings die Kooperativen ihre Kleinbauern fair behandeln, weiss der Importeur nicht mit Sicherheit. In der Schweizer Bevölkerung sei jedoch das Thema fairer Handel angekommen, ist Tobias Meier, Präsident von Swiss Fair Trade, überzeugt. «Die Schweizer konsumieren weltweit am meisten Fair Trade Produkte». In Zahlen: 664 Millionen Franken jährlich. Pro Einwohner und Jahr seien das jedoch nur 75 Franken – da gäbe es noch deutlich Luft nach oben.

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