Der Fussball ist wie die Wirtschaft: Er wird immer komplexer. Im Gegensatz zu der Wirtschaft praktizieren aber die meisten Trainer moderne Formen der Führung. Punkto Leadership sei der Fussball-Trainer dem Manager um fünf Jahre voraus, sagt der Führungsexperte. Welchen Führungsansatz verfolgt Andres Gerber, Sportchef beim FC Thun? Er setzt statt auf Kontrolle auf intrinsische Motivation.

Im Fussball läuft es wie in der Wirtschaft: Er wird ständig komplexer. Das Spiel werde immer vielschichtiger, vernetzter, schneller und dynamischer, schreibt der Führungsexperte Wolfgang Jenewein von der Universität St. Gallen*. Für seine These liefert er einleuchtende Fakten: Die Anzahl der gespielten Pässe steigt. Der Ball wechselt also immer häufiger von Spieler zu Spieler. Das heisst: die Profis interagieren immer häufiger. Dazu sind die Spieler körperlich besser geschult als ihre Vorgängergeneration, sie sind schneller fitter.

Vor diesem Hintergrund muss sich jeder Trainer fragen: Passt meine Führungskultur noch? Was muss ich tun, damit wir als Team erfolgreich spielen? Früher war im Fussball erfolgreich, wer im klassischen Stile verfährt: kommandieren und kontrollieren. Heute funktioniere das kaum mehr, ist Jenewein überzeugt. Und er attestiert den Fussball-Trainern viel Gespür für Führung: «Meinen Erfahrungen nach sind Hochleistungsteams im Fussball unseren Unternehmen fünf Jahre voraus, was die Führungskultur betrifft.» 

Es braucht Mut…

Längst ist der Fussball-Trainer vom «militärischen Stil» abgekommen, sagt Andres Gerber. Er ist Sportchef beim FC Thun, der zurzeit in obersten Schweizer Liga ganz vorne mitspielt. Kontrolle und Hierarchie sei von gestern. «Ich bin überzeugt, dass wir mit Vertrauen viel weiterkommen», sagt Gerber. «Spürt ein Spieler Vertrauen, will er das rechtfertigen. » Es brauche Mut Vertrauen zu gewähren, doch es motiviert Menschen. «Der Mensch will gefordert werden, tief in uns sitzt der Drang nach Verbesserung und Weiterentwicklung. » Dieser Ansatz hat laut dem Führungsexperten einen entscheidenden Vorteil: Früher war das Umfeld stabil, da konnte man erfolgreich sein mit der klassischen Führung. «Vielen Unternehmen ging es mehrheitlich um extrinsische Motivation, also von aussen angeregte Führung», sagt Jenewein im St. Galler Tagblatt. «Heute dagegen muss man intrinsisch führen, indem man mehr fragt statt sagt, mehr motiviert statt doziert. So kann man den Menschen helfen, bei ihrer Arbeit zu wachsen.» 

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*Buch: Wolfgang Jenewein, Warum unsere Chefs plötzlich so nett zu uns sind, 2018

 

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