Fahrni: " Problematisch wird es erst, wenn der Stress anhält." 

 

Sie schlafen besser ein, können Stress reduzieren, Sie tanken Kraft und Energie und haben weniger Kopfweh – das alles verspricht das autogene Training. Was ist das genau? Und wie kann man es lernen? Ursula Fahrni (Bild) unterrichtet autogenes Training und erklärt, dass es einem schlafähnlichen Ruhezustand entspricht. Warum sie es mit dem Zähneputzen vergleicht, erfahren Sie im Interview.

Gespräch: Reto Liniger
 

Frau Fahrni, Stress hat heute einen miesen Ruf. Stress ist doch eine gute Sache?

Ja, grundsätzlich schon, weil ohne Stress kann der Mensch nicht leben. Für viele Situationen brauchen wir eine erhöhte Leistungsbereitschaft. Bei Stress werden bestimmte Hormone im Körper ausgeschüttet, sie stossen verschiedenste körperliche Reaktionen an – also nichts Schlechtes. Ein Problem mit Stress entsteht erst, wenn dieser Zustand anhält und es dazu keinen gesunden Ausgleich gibt.

Sie unterreichten autogenes Training. Können Sie in wenigen Worten erklären, wie autogenes Training funktioniert?

Das ist eine Selbstentspannungstechnik und wurzelt in der Selbsthypnose. Dabei lernt der Mensch wieder Stress zu reduzieren. Während 7 Wochen übt man in einem Kurs aufbauend eine neue Übung. Nach dieser Zeit kennt man die komplette Formel – das Rüstzeug um danach selbständig zu üben.

Wie sieht das konkret aus?

Autogenes Training beruht auf der Selbstbeeinflussung, in dem eine Formel in Gedanken ausgesprochen wird, dabei schaltet das vegetative Nervensystem in Ruhestellung um. Gleichzeitig versetzt sich der Geist in einen Zustand der konzentrierten Entspannung. Wir konzentrieren uns für ein paar wenige Minuten auf unseren Körper, die Atmung, den Puls und den Kopf und durch die Formel vertieft sich die Entspannung.

Wie reagiert der Körper?

Das Training fördert die Durchblutung, kontrolliert den Atem und Puls und fokussiert den Kopf. Der Körper befindet sich in einem schlafähnlichen Ruhezustand, die Muskeln sind entspannt, Puls und Atmung gehen ruhig und gleichmässig, wie sie es sonst nur im Nachtschlaf tun.

Schlafen die Leute in Ihrem Kurs?

Sicher, das kann vor allem am Anfang mal vorkommen. Aber in der Tat: Autogenes Training hilft beim Einschlafen. Wer regelmässig trainiert, kann besser ein- und durchschlafen. Wer in der Nacht erwacht, kann mit autogenem Training wieder schneller einschlafen.

Ich kann das auf dem Bürostuhl machen?

Ja, das ist möglich. Es ist überall wo ich sitzen oder liegen kann durchführbar.

Autogenes Training impliziert, dass man regelmässig trainieren muss. Das Killerargument gegen einen Kurs: Ich habe keine Zeit. Was antworten Sie darauf?

Fragen wir uns, ob wir genügend Zeit haben uns die Zähne zu putzen? Wir putzen unsere Zähne, weil wir uns den Konsequenzen des Weglassens bewusst sind. Wieso nicht die Zeit finden und Autogenes Training als tägliche Stresshygiene im Alltag integrieren? Es tut nämlich auch gut und bringt viel Positives mit sich.

 

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Zur Person: Ursula Fahrni Füllemann aus Unterlangenegg ist Mental- und Entspannungscoach, gelernte Kauffrau und Mutter. Sie unterrichtet seit 2012. Weitere Infos: www.besserfuehlen.ch

 

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