Lehren aus der Krise: So werden Firmen krisenresistenter

 

Die Corona-Krise hat Schwachstellen von Firmen aufgezeigt, nun gilt es Lehren zu ziehen. Wie können Firmen ihre Widerstandsfähigkeit erhöhen?

Fünf Lehren aus der Corona-Krise. 

 

Von Reto Liniger

 

1. Digital gewinnt!

Deutschland ist stolz auf seine Autobauer. Bereits vor der Krise hat aber an der Börse der US-amerikanische E-Auto-Bauer Tesla alle deutschen Autobauer überholt. Tesla ist kein klassisches Auto, sondern eine Art «iPhone auf Rädern, digital vernetzt und elektrisch angetrieben.» Diesen Trend hat die Krise verstärkt: Die digitale Infrastruktur ist die grosse Gewinnerin der Corona-Krise. Videokonferenzen haben Hochkonjunktur und Onlineshops generierten doppelte Umsätze. Die digitalen Kanäle laufen, während draussen eine Pandemie wütet. Bereits vor der Krise wurde die Weltwirtschaft immer digitaler – dies dürfte sich verstärken.

Mirco Plozza ist Geschäftsführer des Deltapark Gwatt, einem Wellnessresort am Ufer des Thunersees, wo die Luft frisch ist und der See kalt. Ohne Kundenkontakt läuft bei ihm nichts, deshalb war sein Resort bis heute fast menschenleer. Trotzdem hält Plozza Kontakt mit seinen Kunden. Wie? Über digitale Kanäle. Er konnte jederzeit seine Gäste kontaktieren und sie ihn. Sie kauften online Gutscheine und erhielten Stimmungsbilder aus dem Deltapark per Social Media. Seine Mitarbeitenden und ihn verband eine interne Kommunikations-App: «Ich hatte keine Probleme unsere Mitarbeiter über Neuigkeiten zu informieren. Auf jeden Fall behalten wir das bei, das sind tolle Hilfsmittel», sagt Plozza.

Fazit: Bauen Sie Ihre digitalen Strukturen aus!

 

2. Lieferketten sind wie Papiergirlanden

Eine gängige Managerlehre geht so: Industriebetriebe müssen weltweit produzieren. Sie müssen Leistungen «outsourcen», also Fertigungen auslagern, um möglichst günstig zu sein. Volkswagen arbeitet mit 5000 Lieferanten, von denen jeder wiederum 250 Lieferanten hat. Der Konzern hat also 1,25 Millionen Lieferanten – die ihm grösstenteils unbekannt sind.

Diese Netze sind störungsanfällig. Bei Erdbeben, Bürgerkriegen, Pandemien oder sonstiger Turbulenzen zerreissen solche Lieferketten wie Papiergirlanden. Das wussten die Architekten dieser Ketten, die tiefen Produktionskosten würgten aber die Bedenken ab. Hören die Betriebswirte nun die Zeichen der Zeit? Laut einer Umfrage von Ernst & Young unter 2900 Managern weltweit, planen mehr als die Hälfte der Unternehmen ihre Lieferketten zu verändern. Statt nach dem niedrigsten Preis streben die Firmen nach mehr Sicherheit – Resilienz schlägt Effizienz.

Michel Gygax führt mit seinen Geschäftspartnern sechs Restaurants und eine Weinhandlung in Bern – klar das ist kein Weltkonzern. Aber immer mehr Firmen kaufen ihre Produkte nur noch regional. «Beim Einkauf achten wir sowieso schon jetzt auf Regionalität und Nachhaltigkeit.»

Fazit: Setzen Sie auf regionale Zulieferer!

 

3. Halten Sie einen Slack!

Slack heisst im Englischen "etwas rumliegen haben", einen Puffer haben. Investoren ist dieser Puffer ein Graus. Grosse Lager binden Kapital, sind sperrig, teuer, unsexy. Deshalb pochen Geldgeber auf bedarfsgerechtes Wirtschaften. "Just in Time" heisst das Motto – die Lieferung wird nicht gelagert, sie wird direkt genutzt. Was aber tun, wenn die Nachfrage plötzlich steigt oder wichtige Teile nicht mehr geliefert werden?

«Es braucht Redundanzen und etwas, das «Surge Capacity» heisst, also Produktionskapazitäten bereithalten, wenn die Nachfrage sehr plötzlich und stark steigt», sagt Dean Harder, Professor für Wirtschaft an der Berner Fachhochschule. Der Technologiekonzern 3M hat das getan und ist deshalb zu einem Gewinner der Krise avanciert. 3M hat aus früheren Krisen – SARS und Vogelgrippe – gelernt und weltweit Extra-Kapazitäten an Schutzmasken aufgebaut. Diese «schlafende» Produktionen konnte 3M in der Pandemie schnell hochfahren. Das hat dazu beigetragen, dass 3M die Atemmaskenproduktion innerhalb von zwei Monaten von 500 Millionen jährlicher Produktionsleistung auf über eine Milliarde verdoppeln konnte.

Fazit: Halten Sie sich einen Slack!

 

4. Diversification rules!  

Nicht alles auf eine Karte setzen, sondern Vermögen auf unterschiedliche Anlageklassen setzen – Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe. Diversifikation ist Risikoausgleich, Risikominderung. Dies funktioniert nicht nur bei der Vermögensanlage, sondern auch bei KMU.

Wer sich diversifiziert ist in Krisen resistenter, das weiss Markus Kunz, Geschäftsführer von Nova Taxi. «Wir hatten schon vor der Krise Kurierdienste und Essenslieferungen gemacht und werden das weiterhin machen.» Genauso der Gastronom Gygax: «Vielleicht werden wir uns noch etwas diversifizieren und ein zusätzliches Geschäftsfeld suchen. Beispielsweise werden wir die Beratungstätigkeiten weiter ausbauen.»

Fazit: Diversifizieren Sie Ihre Geschäftsfelder!

 

5. It's the ecology, stupid!

Wer auf Nachhaltigkeit setzt, setzt auf die Zukunft. Klimaschutz ist kein Wachstumskiller, sondern ein Modernitätsschub und für viele Firmen eine Chance. Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt und die Investoren an der Börse schauen genau, welche Unternehmen sich in die richtige Richtung bewegen. Blackrock ist als weltgrösster Vermögensverwalter ein wichtiger Aktionär bei vielen Firmen. Angelegt wird nur, wo eine Firma zukunftsfähig ist. «Wir setzen auf Prioritäten», sagt Philipp Hildebrand, Vice-Chairman beim weltgrössten Vermögensverwalter Blackrock, «und konzentrieren uns auf die wichtigen Themen wie zum Beispiel den Klimaschutz.»

Fazit: Fördern Sie nachhaltige Geschäftsmodelle

 

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