Berner Forschung trägt zum Verständnis der Entstehung von Planeten bei

(CONNECT) Berner Astronomieforschung ist an neuen Erkenntnissen hinsichtlich der Entstehung von Planeten beteiligt. Ein internationales Team unter Co-Leitung von Prof. Dr. Maria Drozdovskaya vom Departement für Chemie, Biochemie und Pharmazie der Universität Bern hat laut einer Mitteilung entdeckt, dass junge sonnenähnliche Sterne von einem überraschend reichen „chemischen Starter-Kit“ umgeben sind. Darunter befindet sich auch Methanol in bisher unerwarteten Formen und Häufigkeiten.

Ihr Grossprojekt COMPASS arbeitet mit ALMA, der weltweit grössten bodengestützten Beobachtungsanlage in der nordchilenischen Atacama-Wüste auf dem Chajnantor-Plateau in 5000 Metern Höhe. ALMA besteht aus einer riesigen Anlage mit 50 Zwölf-Meter-Antennen. Damit weist das COMPASS-Team die spektralen Fingerabdrücke von komplexen organischen Molekülen in elf entstehenden sonnenähnlichen Sternen, sogenannten Protosternen, in bisher unerreichter Detailgenauigkeit nach und kann sie miteinander vergleichen. Nun hat das COMPASS-Team die ersten Ergebnisse in sieben Artikeln in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ vorgestellt.

Ein unerwartetes Ergebnis ist der Nachweis sogenannter Methanol-Maser-Emissionen – besondere Radiosignale von Methanol-Molekülen – bei mehr als der Hälfte der untersuchten Protosterne. Parallel dazu gelang COMPASS der erste Nachweis einer „schweren“ Variante von Methanol im All. Vollständig deuteriertes Methanol (CD3OD), bei dem alle Wasserstoffatome durch das schwere Deuterium ersetzt sind, wurde um den jungen Protostern IRAS 4A2 in der Perseus-Molekülwolke entdeckt, rund 1000 Lichtjahre von der Erde entfernt.

„Beide Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig leistungsstarke Spektralvermessungen wie COMPASS mit ALMA sind, um seltene und bislang unbekannte chemische Phänomene aufzuspüren“, resümiert Drozdovskaya. „Sie zeigen, wie viel wir über die chemischen Prozesse in jungen Sternsystemen noch lernen können.“ Die Analyse aller gesammelten Daten werde noch Jahre dauern und in Folge- und Ergänzungsprogrammen weiter betrieben, unter anderem mit dem James-Webb-Weltraumteleskop. „Unsere Arbeit gibt Einblick in die komplexe Chemie junger Sternsysteme und ist schlussendlich ein wichtiges Puzzleteil, um den Ursprung des Lebens zu verstehen.“

Für ihr Forschungsprojekt Planetary Systems from Interstellar Ingredients erhält Drozdovskaya seit dem 1. Mai 2026 einen ERC Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrats. Er ist mit 2 Millionen Euro dotiert und wurde für fünf Jahre gesprochen. Damit treibt die Wissenschaftlerin die mit COMPASS gewonnenen Einblicke weiter: Sie untersucht, ob komplexe Moleküle von der Geburtswolke bis hin zu jungen Planetensystemen und Kometen erhalten bleiben oder unterwegs chemisch umgeformt werden. ce/mm

Quelle: punkt4.info / Café Europe