- 23.02.2026
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Süsse Pille im Export
Der Wirtschaftsraum Bern verfügt über eine starke sowie dynamische Exportwirtschaft und das in einem überraschenden Wirtschaftszweig.
Das diesjährige, vergleichende WRB-Wirtschaftsmonitoring nahm neben den allgemeinen Wirtschaftsdaten auch Stärke und Struktur des Exports unter die Lupe. Die Ergebnisse des Volkswirtschaftlichen Instituts der Universität Bern (VWI) zeigen, dass die Unternehmen im Wirtschaftsraum Bern (WRB) einen beachtlichen Teil ihrer Güter exportieren und in Wachstumsbranchen sehr gut positioniert sind.
Schweizweit wurden über alle Warengruppen hinweg im Jahr 2024 Güter in Höhe von rund 380 Milliarden Franken exportiert. Davon entfielen rund 160 Milliarden Franken auf die sechs untersuchten Wirtschaftsräume Bern, Genf, Lausanne, Basel, Luzern und Zürich, was einem Anteil von rund 40 Prozent entspricht. Schweizer Exportmeister ist dabei der Wirtschaftsraum Basel mit Exporten in Höhe von 101 Milliarden Franken. Dies ist in erster Linie auf die im Wirtschaftsraum Basel sehr stark vertretene Chemie und Pharmabranche zurückzuführen, die insgesamt rund 40 Prozent der gesamten Schweizer Ausfuhren ausmacht. Sie ist damit mit deutlichem Abstand die grösste Exportbranche hierzulande. An zweiter Stelle folgte der Wirtschaftsraum Genf mit Exporten in Höhe 28 Milliarden Franken.
Hohe Resilienz gepaart mit hoher Dynamik
Hinter Genf folgen die Wirtschaftsräume Zürich und Bern nahezu gleichauf auf den Plätzen drei und vier, wobei Zürich hinsichtlich der Bevölkerung rund 2,4 Mal grösser ist als der Wirtschaftsraum Bern. Setzt man das Exportergebnis der untersuchten Wirtschaftsräume in Relation zum jeweiligen Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf, zeichnet sich hinter den Spitzenreitern Basel und Genf ein verändertes Bild, in dem der WRB klar auf Rang drei vorrückt mit beachtlichem Abstand zu den Wirtschaftsräumen Luzern, Lausanne und Zürich, die auf den Plätzen vier, fünf und sechs folgen. Dass Zürich auf den letzten Platz abrutscht, ist dem dort sehr starken Sektor privater Dienstleistungen geschuldet, der bei den Warenexporten nicht berücksichtigt wurde und grundsätzlich auch weniger exportorientiert ist.
Das starke Exportergebnis des WRB fusst, und das mag auf den ersten Blick überraschend anmuten, wie auch im Wirtschaftsraum Basel auf eine gut gehende Chemie- und Pharmabranche. In diesem Sektor hat der Wirtschaftsraum Bern stark aufgeholt und ein rasantes Wachstum hingelegt. So hat sich das Exportvolumen in der Chemie- und Pharmabranche im WRB seit 2016 von rund zwei auf rund sechs Milliarden Franken verdreifacht. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum hat sich das entsprechende Exportvolumen im Wirtschaftsraum Basel «lediglich» knapp verdoppelt. Das heisst, dass sich der WRB hinter Basel zur Nummer zwei in der Chemie- und Pharmabranche entwickelt hat. Betrachtet man in diesem Zusammenhang den hohen Anteil der öffentlichen Verwaltung im WRB, insbesondere in der Stadt Bern und der Kernagglomeration, dann verbindet der Wirtschaftsraum Bern das Beste aus beiden Welten: Hohe Resilienz, auch in Krisenzeiten, dank der öffentlichen Verwaltung sowie beachtliches Wachstum, dank der Stärke in Wachstumsbranchen. Letzteres wird auch durch die Prognose des durchschnittlichen jährlichen Wachstums des realen BIP pro Kopf für die Jahre 2026 bis 2029 gestützt. Hier prognostiziert das VWI für den Wirtschaftsraum Bern einen Wert von knapp 1‘500 Franken, was Platz eins in der vorgelegten Untersuchung bedeutet. «Die Resultate sind ein Statement gegen das Understatement. Der oft als behäbig titulierte Wirtschaftsraum Bern ist mit Leuchtturmfirmen und Hidden Champions in Wachstumsbranchen sehr gut positioniert und exportstark», kommentiert Hansmartin Amrein, Leiter Wirtschaft Stadt Bern.
EU ist wichtigste Handelspartnerin
Mit deutlichem Abstand wichtigste Handelspartnerin für die Unternehmen im WRB war im Untersuchungszeitraum die Bundesrepublik Deutschland, gefolgt von den USA, Italien, der Volksrepublik China, Österreich und Frankreich. Der Anteil am Wert der Waren und Dienstleistungen, die aus dem Wirtschaftsraum Bern in EU-Länder exportiert werden, betrug über 60 Prozent des gesamten WRB-Exportvolumens. Für den Export in die USA betrug dieser Wert rund 20 und für den Export in die Volksrepublik China rund 8,5 Prozent. Das heisst, dass rund 90 Prozent des WRB-Exportvolumens auf den Handel mit diesen drei grössten Volkswirtschaften beziehungsweise Handelsräumen zurückzuführen ist. Dies unterstreicht die Wichtigkeit geordneter Handelsbeziehungen mit der EU, den USA und der Volksrepublik China, damit der Wohlstand im Wirtschaftsraum Bern und generell in der Schweiz gesichert werden kann. Die Daten unterstreichen aber auch die Bedeutung des am 1. Oktober 2025 in Kraft getretenen Freihandelsabkommens zwischen Indien und den EFTA-Staaten, denen auch die Schweiz angehört. Denn: Obgleich Indien gemessen am BIP-Platz fünf der grössten Volkswirtschaften der Welt belegt, blieb der Export aus dem Wirtschaftsraum Bern dorthin bislang deutlich hinter den Möglichkeiten zurück. Hier tun sich seit dem Inkrafttreten des Freihandelsabkommens auch für Unternehmen im WRB neue Möglichkeiten auf.
Optimistische Prognosen
Die Fragen, wie es dem WRB grundsätzlich und im Vergleich mit den anderen grossen Schweizer Wirtschaftsräumen geht, lässt sich zusammenfassend wie folgt beantworten: gut bis sehr gut. Gemessen am absoluten BIP konnte der WRB im Jahr 2025 gegenüber den anderen Räumen seinen zweiten Platz hinter Zürich behaupten. In Relation zur Bevölkerung liegt der WRB wie im Vorjahr an der Spitze des Felds. Mit einem BIP pro Kopf in Höhe von 193‘196 Franken verwies der WRB die Wirtschaftsräume Zürich und Basel auf die Plätze zwei und drei. Betrachtet man die Wachstumsprognosen, die das VWI für die untersuchten Wirtschaftsräume erstellt, kann der WRB mit grosser Zuversicht in die Zukunft blicken.